Dienstanweisung für die Internen Lehrer an der Landesschule zur Pforte.

  1. Die Internen Lehrer sind Studienassessoren, die am Unterricht nur bis höchstens 15 Wochenstunden beteiligt sind, dafür aber besondere Aufgaben im Alumnat zu erfüllen haben.
  2. Als Lehrer unterstehen sie den allgemein giltigen Bestimmungen für die Lehrer an den höheren Schulen Preußens. Sie sind vollberechtigte Mitglieder der Synode. Dementsprechend nehmen sie an den Pflichten der Tutel, des Hebdomadariats, der Festreden, der Vertretungen im Unterricht, der Badeführungen teil; doch sind sie von den etwa notwendig werdenden Vertretungen des Hebdomadars am Tage bis 9 Uhr abends befreit.
  3. Jeder der vier Internen Lehrer hat die Aufsicht über den Alumnatsflur,
    in dem seine Wohnung liegt, unbeschadet der Oberaufsicht des Hebdomadars und des Rektors. Er ist für die Aufrechterhaltung der äußeren und inneren Ordnung seines Flurs verantwortlich. Unterstützt von den Inspektoren, beaufsichtigt er die Schüler seines Flures insbesondere in der Arbeitszeit und steht ihnen auch während ihrer
    Selbstbeschäftigung und Freizeit zur Verfügung. Verstöße gegen die
    Alumnatsordnung, die er nicht selbst beseitigen kann, meldet er dem Hebdomadar, nötigenfalls dem Rektor. An zwei Abenden der Woche in der kühleren Jahreszeit übernehmen die Internen Lehrer die Oberaufsicht über das Fußbaden der Schüler.
  4. Es wird erwartet, daß die Internen Lehrer mit dem Hebdomadar, auch mit der Alumnatsschwester, Hand in Hand arbeiten. Der Hebdomadar hat die Gesamtaufsicht über das Alumnat und muß für die gleichmäßige Durchführung der für den Gesamcoetus geltenden Bestimmungen sorgen, ist deshalb auch berechtigt, da, wo er eine Unregelmäßigkeit der Schüler zu beobachten glaubt, unmittelbar einzugreifen; nötigenfalls wird er davon umgehend dem betreffenden Internen Lehrer
    Mitteilung machen. Im allgemeinen ist das Verhältnis des Internen Lehrers zum Hebdomadar ungefähr das gleiche, wie das des Fachlehrers einer Klasse zum Klassenleiter, Vorgesetzter der Internen Lehrer ist also nicht der Hebdomadar, sondern der Rektor.
  5. An den gemeinsamen Mittags-, Nachmittags- und Abendmahlzeiten der Alumnen beteiligen sich in regelmäßigem Wechsel je zwei Interne Lehrer nebst dem Hebdomadar; wollen sie auch die erste Morgenmahlzeit einnehmen, so wird für sie im Coenakel gedeckt. Dabei sorgen sie für gute Tischsitten der Schüler. Für das zweite Frühstück und für alle Mahlzeiten der dienstfreien Internen Lehrer steht das sog.Frühstückszimmer zur Verfügung.
  6. Die Aufgabe des Internen Lehrers ist aber nicht nur Aufsichtsdienst und Fürsorge für die Ordnung im Alumnat. Wichtiger noch ist ein freier Verkehr vor allem mit den Alumnen seines Flurs, aber auch mit anderen nach eigener Wahl. Auch Sonderaufgaben für das Gesamtalumnat harren der Internen Lehrer wie Pflege der Musik, des Literarischen, der bildenden Kunst, des Handfertigkeitsunterricht, des Sports, der Kurzschrift u.a.m. Wünschen die Internen Lehrer mit den ihnen zustehenden freien Nachmittagen oder Tagen zu tauschen, so ist dem Rektor rechtzeitig Mitteilung zu machen, der den Hebdomadar benachrichtigt.
  7. Die Dienstfreiheit der Internen Lehrer ist folgendermaßen geregelt:
    am Montag und Mittwoch nachmittag sind die Internen Lehrer des 1. und 3., am Dienstag und Donnerstag die des 2. und 4. Flures dienstfrei, am Freitag diejenigen Internen Lehrer, denen durch einen Studientag in der betreffenden Woche ein dienstfreier Nachmittag genommen wurde. Jeder vierte Studientag ist in regelmäßigem Wechsel vollständig dienstfrei. Die Vertretung übernimmt immer der Hebdomadar. An den Sonntagen sind zwei Interne Lehrer anwesend, um sich der in der Pforte bleibenden Schüler anzunehmen; in regelmäßigem Wechsel übernimmt es einer von ihnen während der Kirchzeit die am Kirchenbesuch nicht teilnehmenden Schüler zu beaufsichtigen.
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