I Die Pforte als evangelische Schule

Die Landesschule ist als evangelische Schule gegründet, ja sie sollte in erster Linie der Heranbildung der künftigen Theologen dienen. Deutlicher als die Stiftungsurkunde von 1550 zeigt das die Antwort der Sächsischen Stände auf die Vorlage, in der Herzog Moritz die Gründung der drei Fürstenschulen Pforte, Merseburg (jetzt Grimma), Meissen angeregt hatte: „damit man gotfürchtige, rechtschaffene und gelehrte Prediger, Pfarrer und Seelsorgere haben möge, welche aus waren Grunde göttlicher Schrifft die rechtschaffene christliche Lehre erhallten und vor Anfechtunge der irrigen Lehrer … verteydingen, und unchristliche – Missbreuche vorkommen helffen mögen“ (Corssen 120 f.). Bei dieser Zielsetzung ist es natürlich, dass in der neuen Schule viele Züge des Klosterlebens beibehalten wurden: die einheitliche schwarze Tracht der Schüler, die sogen. Schalaune (die heute nur noch von den Lehrern bei festlichen Gelegenheiten getragen wird), die strenge Zucht, um nur einige zu nennen, und, was uns hier angeht: einzelne Formen des Kultus.

Ueber Zahl und Art gottesdienstlicher Handlungen gibt der, Bericht Kirchners über die Entwickelung der Schule von 1800 bis 1847, (a.a.O. S.59 f.) die beste Auskunft. Der kurfürstliche Kommissar Freiherr von Hohenthal fand bei seinem Besuch im Mai 1782 noch folgenden Zustand vor. Die Schüler mussten ausser den täglichen Morgen- und Abendandachten und ausser dem Predigtgottesdienst – am Sonntag (Vor- und Nachmittag!) noch eine tägliche Nachmittagsbetstunde in der Kirche besuchen, im Gottesdienst wurden noch lateinische Hymnen während des Mittag- und Abendessens wurde „aus der Bibel oder einem lateinischen Autor“ vorgelesen, die Tertianer mussten „auch die Leichen fremder Personen …. zu Grabe singen.“ Infolge des erwähnten Besuches des Freiherrn von Hohenthal wurde diese Sitte des „Leichenkonduktes“ abgeschafft das Vorlesen während der Mahlzeiten wurde aufgegeben, die Zahl der Betstunden auf wöchentlich zwei beschränkt.

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